Roman
Es war wieder einer dieser verregneten Morgen, als der Wecker wie üblich nicht klingelte.
Der Kaffee war schon fertig. Logisch, denn er stand ja schon seit gestern Nachmittag.
Dieser Geschmack den ich seit dieser Kieferoperation hatte, ist unwahrscheinlich intensiv und seit Wochen schon in meinem Munde, genau so wie dieses Gerücht, welches immer wieder auftaucht wenn man am wenigsten damit rechnet.
 
„Es war ein blauer Wagen“ hieß es, meistens.
„Nein, es war ein Grauer“ hieß es, öfters.
„Ich habe es genau gesehen, es war ein Metallic-grüner mit dunklen Streifen. Ja, mit Rallyestreifen wie sie diese jungen Leute immer haben“ sagte wieder mal die ältere Dame obwohl ich Sie eigentlich nie fragte.
 
Irgendwie schon komisch, das dieser schreckliche Unfall genau da geschah, wo ich am liebsten meinen Whisky on the Rocks trinke.Seltsamer Weise schienen nicht mal die Strassenlaternen und selbst diese bescheuerte Werbetafel, die mich die halbe Nacht wach hält, weil sie der Meinung ist, sie sei ein Blinker von einem 65ieger Chevy, war erloschen.
 
Ein Blick in die aktuelle Tageszeitung, den ich mir immer dann gönne, wenn ich mal ein paar Minuten ausspanne, verrät mir, dass ich unbedingt mal wieder aufräumen sollte.
20ster März, dieses Datum bohrt sich in mein Gedächtnis wie ein Stahlnagel in eine dieser dünnen Wände meines Büros, an denen normalerweise Bilder hängen sollten.
Die Bilder, tja es ist schon ein Blödes, wenn man aus Geldmangel, irgend ein Erbstück verkaufen muss, nur um seinen Lebensstandard aufrecht zu halten. Gottlob konnte ich diese Angriffe mein Kunstverständnis um 180° zu wenden, parieren und nahm die 100 Dollar gerne an. Es waren keine Gemälde die man sich oft, Geschweige denn gern ansieht.
 
Der 20ste März 1996, so stand es geschrieben. 2 Jahre lag diese Ausgabe also schon in meinen bescheidenen Räumlichkeiten ohne beachtet zu werden.
 
Ein qualifizierter Blick in mein Notebook, wie ich die Lose-Zettel-Sammlung liebevoll nenne,sagt mir, dass es wieder mal so weit ist.Eleonore kommt. Eleonore Pfister, ehemaliges Modell. Eleonore, ein Name der auf der Zunge zergeht, wie die Sahnetörtchen des Konditors in der 54sten Straße.
 
Das Klopfen an meiner Tür, hoffentlich hält das aufgeklebte Blatt Papier die kaputte Scheibe zusammen, bedeutet, dass Sie endlich da ist.
„Herein, es ist offen“ sagte ich mit energischer Stimme und vergaß die Türsicherung, Marke Eigenbau.
„Sie geht nicht auf“ höre ich diese fast flehenden Worte von meiner, für einen Tag im Monat angestellten Schreibkraft.
Klar doch, die Sicherung muss noch entfernt werden. Also erhob ich mich, um den Stuhl der schräg am Türknopf stand, zu beseitigen.
„Entschuldigen Sie Mister Fisher, heute verfüge ich nicht über so viel Zeit, um für Sie die schriftliche Belange zu erledigen“ sagte Miss Pfister und zog sich die Papiertüte vom Kopf die ihre Frisur vorm Regen schützen sollte. „Private Angelegenheiten sollten geklärt werden solange sie noch aktuell sind. Sicher ist sicher.“
 
„Kein Problem, Miss Pfister, kein Problem ,“ antwortete ich und zündete mir meine letztes Zigarillo an, „Was sein muss, muss sein.“
 
Miss Pfister, ehemaliges Modell, bedauerlicher Weise in den goldenen zwanziger Jahren.
Als Miss Pfister sich Ihren Mantel entledigte sah ich mich, obwohl ich ja genau Bescheid wusste in meinem Büro, um und sah durch Zufall eine Art Tätowierung auf dem Unterarm meiner Sekretärin, die sich unter der feucht gewordenen Bluse abzeichnete.
„Was ist das auf Ihren Unterarm, Miss Pfister?“ fragte ich und bekam zu meiner Über-
raschung die Antwort, das ich mich nicht in Sachen einmischen sollte, die mich nichts angehen.
 „Entschuldigung, tut mir leid“. Fast unterwürfig kamen diese Worte über meine Lippen doch in meinen Kopf fragte ich mich, ob diese betagte Dame nicht etwas zu verbergen hat.
„Wo sind eigentlich die hübschen Bilder, die hier immer an ihren Wänden hingen?“ wollte sie mit einem Lächeln , welches ein hämisches Grinsen eigentlich näher kam, wissen.
Weiß der Himmel warum ich log, aber statt die Wahrheit zu sagen, behauptete ich, die Bilder einer Cousine in Detroit geschickt zu haben.
„Was?“ in der Stimme von Miss Pfister vermag ich ein ungläubiges Zischen zu vernehmen,welches die Alarmglocken meines siebten Sinnes zum läuten brachte.
„Im übrigen muss ich schon gehen !“
„OK, Miss Pfister“, höre ich mich selbst noch sagen wobei ich überlegte, warum sie ihre
obligatorische Zigarette nicht rauchte. „Bis nächsten Monat.“
 
Bei dem Versuch mein Büro auf dem schnellsten Wege zu verlassen, fiel etwas aus ihrer Handtasche. Es war, so schien mir, eine Art Ausweis, wobei es mich stutzig machte, dass der eingetragene Name nicht Pfister, sondern Rogental oder so ähnlich hieß.
Genau war der Eintrag nicht zu lesen, da meine 40 Watt Glühbirne nicht gerade ein Licht
produziert, das zum lesen animiert.
Nachdem sie den Ausweis an sich nahm und in ihre Handtasche zurück packte, fingen, Profi wie ich bin, meine Gedanken an zu kreisen wie ein Wirbelsturm in der Sahara.
Wieso hatte es Miss Pfister auf einmal so eilig? Was war das für eine Tätowierung?
Warum beging der Fahrer oder die Fahrerin des Unfallwagens Fahrerflucht?
Und wieso kaufe ich mir keine neue Lampe? Fragen über Fragen, Ratlosigkeit!
 
Um auf andere Gedanken zu kommen, ging ich, nachdem ich mein Gesicht mit Wasser benetzte, ins Jimmy`s.
Jimmy`s, eine der letzten Bars hier in New York mit dem gewissen Flair. Männer die so groß und breit sind wie Kleiderschränke und keinem Streit aus dem Wege gehen, Frauen die so aussehen, als verdienten sie ihr Geld auf der Straße und damit meine ich keine dieser Frauen, die Strafzettel ausstellen; und eine Menge dieser kaputten Typen die für ein paar Promille sogar nackt auf dem Tisch tanzen würden.
„Wie geht`s, Andy. Bist du etwa gekommen um deine Zettel zu zahlen?“
„Ein anderer Tag, die selbe Frage!“ entgegnete ich und Tom, der Barkeeper versuchte, wie sonst auch, sich ein Lächeln abzugewinnen.
„Was macht der Unfall, hast du schon etwas Neues erfahren?“
Tom`s Frage war so überflüssig, wie heiße Suppe im Hochsommer.
„Hör lieber auf deine Gläser zu polieren und gib mir was zu trinken“ sagte ich „Und mach die Musik etwas leiser!“ Ich wusste genau, dass er die Frage nur stellte, damit er jemanden hatte, der sich mit ihm unterhielt. Was soll`s, so ist er eben.
 
Der Stuhl in der Ecke, der normaler Weise nicht besetzt ist, scheint diesmal einen Gast gefunden zu haben. Das wunderliche daran war nur, dass kein Mensch zu sehen war.
Mein Blick schweifte durch die ganze Bar, aber ich sah niemanden der zu diesem Platz passte.
Dieser Platz, bestehend aus einem Stuhl, einem schmuddligen Tisch, einen Aschenbecher, in dem sich eine glimmende Zigarette befand, und einem halbvollen Glas Cola.
„Hat sich der dazugehörende Gast verabschiedet?“ fragte ich Tom und zeigte dabei auf den Tisch. Just in diesem Moment öffnete sich die Klotür und ein älterer Mann im zerknitterten Regenmantel bewegte sich auf den Tisch zu. Eigentlich ist es untertrieben den Mann als „älterer“ zu beschreiben. Im Grunde genommen sah er so alt aus als ob er bei der Erbauung eines der sieben Weltwunder anwesend war.
Ich muss völlig verdattert ausgesehen haben, als mich „Methusalem“ zu sich winkte.
Achselzuckend sah ich Tom an und machte mich auf, diese Person mit meiner Anwesenheit zu beschenken.
 
„Sie müssen Mister Fisher sein“ sprach der Mann und reichte mir seine knöcherne Hand entgegen.
„Stimmt, mein Name ist Fisher, Andy Fisher und Sie heißen“?
„Mein Name tut nichts zur Sache, noch nicht. Sie sind, wie sagt man doch gleich, Schnüffler, oder sollte ich mich irren?“
„Das ist korrekt, woher wissen sie das?“
„Ihr schmalzlockiger Freund an der Theke sagte es mir.“
„Sie meinen Tom, der mit dieser Tolle, die so aussieht, als ob man ein Glas darauf abstellen könnte?“
„Ich sehe, wir sprechen beide die gleiche Sprache“ antwortete der Mann und ich erblickte, als ich ihn entgegensah, ein Gefühl von Erleichterung und gleichzeitig Traurigkeit in seinen Augen. “Wissen sie es ist schon ziemlich lange her, das ich mich mit jemanden unterhalten habe. Das liegt wohl daran, das ich den Glauben an die Menschen verloren habe.“ sagte er und zeigte achselzuckend auf ein kleine Bündel Wolle, welches auf den Nebenstuhl lag.
„Das ist Buffy, mein kleiner, treuer Freund“.
Nach intensiven Hinschauen nahm ich zur Kenntnis das dieses Bündel Wolle eigentlich ein kleiner Hund war.
„Er wurde feige ausgesetzt“, sagte der Alte“ wobei ausgesetzt eigentlich die falsche Bezeichnung ist, er sollte ertränkt werden. Ich zog ihn aus einem Fluss, glücklicher Weise war er nicht so tief, denn ich kann nämlich nicht schwimmen, wissen Sie?“
Als ich fragte woher er wisse das der Hund ertränkt werden sollte, sah er mich böse an und sagte barsch zu mir:“ Glauben sie das er von alleine in den Sack gekrochen ist und ihn obendrein noch verschnürt hat?“
Fast schon mit einem schlechten Gewissen antwortete ich, dass ich dies ja nicht ahnen konnte.
 
„Schon gut junger Mann, ist schon O.K., sie haben ja Recht, vielleicht war ich etwas zu hart in der Wahl meiner Worte.“
„Nun aber zum eigentlichen Thema. Haben Sie jemals von der Spinne gehört?“
„Nein, tut mir leid, sollte ich?“
„Die Spinne war, lassen Sie mich ein wenig in der Vergangenheit kramen, eine Geheimorganisation im zweiten Weltkrieg.“
„Sie meinen sie gehörte der SS oder SA an?“
„Falsch, genau im Gegenteil“ flüsterte der Alte und rutschte auf seinem Stuhl näher zu mir, „das war ein Geheimbund in den KZ-Lagern der Deutschen.“
„Meinen Sie damit, das es innerhalb der Nazis noch Splittergruppen gab, die auf eigene Faust arbeiteten?“
„Nein, Sie scheinen nicht zu verstehen, die Spinne war, bzw. ist, eine Organisation jüdischer Gefangener im dritten Reich.“
„Das ist nicht Ihr Ernst“, entgegnete ich ungläubig. „Man hätte doch davon erfahren müssen, spätestens nach der Befreiung der Gefangenen.“
„Nicht wenn man noch eine Weile leben wollte.“
 
Entsetzen beschlich mich, in Form von Kälte, die langsam aber sicher meine Beine in Beschlag nahm. “Was meinen Sie mit ist, heißt das, dass sie noch immer existiert?“
 
 
Fortsetzung folgt
 
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